Die Waffenkammer des Castello di Brolio: Kriegs – und Jagdschätze durch die Jahrhunderte



Ab dem 15. März ist das Castello di Brolio wieder zur Besichtigung geöffnet, mit seinem Museum im Innenhof, ein Kleinod das einen der faszienierendsten und bedeutendsten Schätze des historischen und kulturellen Erbes der Familie Ricasoli hütet: Die Waffensammlung. In diesem im gothischen Stil dekorierten Saal enthüllen die ausgestellten Schätze nicht nur das meisterliche Kunsthandwerk ihrer Hersteller sondern auch  die Heldentaten und die Traditionen einer Familie die eine wichtige Rolle in der Geschichte der Toskana und Italiens spielte.

Das Geschlecht der Ricasoli ist tatsächlich sehr alt, für einige Historiker ist der Gründer Geremia, zitiert in einer päpstlichen Bulle aus der Zeit der Langobarden (1076). Sicher ist dass die Ricasoli schon damals Freiherren waren, als sie sich auch auf Brolio niederlassen und eine Burg zur Verteidigung der Republik Florenz gegen Siena errichten. Ein kämpferisches Adelsgeschlecht, das in den turbulenten Kriegen der Region kämpft bis zur Gründung des Staates der Medici, dem sie weiterhin treu dienen,  wie auch später, im neunzehnten Jahrhundert dem italienischen Staat.

In Italien besitzen nur die Herrscherfamilien, die Farnese – Bourbonen, die Savoyen, die Medici und die Este eine Familienwaffenkammer, ausser des österreichischen Geschlechts der Grafen Trapp, einst Gouverneure von Tirol das eine kleine Sammlung der Familienwaffen auf dem Stammsitz Churburg im Vinschgau besitzt. Eine derart kostbare Privatsammlung wie die der Ricasoli ist einzigartig und wurde vor einiger Zeit von dem florentinischen Kunstgeschichtler Mario Scalini begutachtet der die beeindruckendsten Stücke herausstellte.

Herrausragend ein Grosses Messer aus dem vierzehnten Jahrhundert, eine einzigartige Waffe die aus einer Zeit heftiger Gebietsgefechte stammt. Ungefähr fünfzig Zentimeter lang weist sie auf dem Griff eine raffinierte Dekoration auf, die nach einer antiken, ursprünglich chinesischen Technik ausgeführt wurde, als Agèmina oder Tauschierung bezeichnet, Zeuge der  damaligen Kunstfertigkeit. Man geht davon aus, dass es Bindaccio Ricasoli gehörte, einem tapferer Hauptmann aus dem XIV. Jahrhundert der Brolio befestigte und somit unbezwingbar machte.

Gleichermassen faszinierend ist die “Beckenhaube” aus dem vierzehnten Jahrhundert, ein Helm aus bemerkenswerter Stahlarbeit der Spuren von Abnutzung und späteren Reparaturen aufweist. Kleine Löcher am Rand deuten auf auf eine Innenfütterung hin, möglicherweise ein zusätzlicher Schutz im Gefecht. Auch dieses Teil wurde wahrscheinlich von Bindaccio Ricasoli bei kriegerischen Auseinandersetzungen getragen. Nach langem Gebrauch wurde er später zum Eimer umgearbeitet, und gerade dieser “zivile” Gebrauch hat deutlich sichtbare Spuren auf dem Helm hinterlassen.

Bei den Jagdwaffen fällt eine seltene und wertvolle “Pulverflasche aus dem fünftzehnten Jahrhundert” auf, wahrscheinlich aus Deutschland, angefertigt aus einem Büffelhorn und mit gothischen Beschlägen verziert. Dieses kürzlich restaurierte Artefakt ist ein außergewöhnliches  Stück der Feuerwaffengeschichte, es ist de facto die älteste bekannte Pulverflasche. Bemerkenswert auch die Hakenbüchse mit der Gravur “Acquafresca” aus dem siebzehnten Jahrhundert, aus der renomierten Werkstatt deren Namen sie trägt. Diese Waffe von ausgezeichneter Qualität aus Silber und Bronze zeugt von der Handwerkskunst seiner Zeit und der historischen Bedeutung der Familie Ricasoli. Beachtenswert auch die umfangreiche Sammlung von Militärgewehren aus dem neunzehnten Jahrhundert, Säbeln und weiteren Waffen, Trophäen von damaligen Feldzügen der Ricasoli.

Die Waffenkammer des Castello di Brolio ist eine wertvolle Schatztruhe der Geschichte und Tradition, jedes Ausstellungsstück erzählt von Mut und Geschicklichkeit. Die  Wiedereröffnung bietet Gross und Klein eine  einmalige Gelegenheit in die faszinierende Welt der Kriegs – und Jagdkunst durch die Jahrhunderte einzutauchen.

Für die die nach dem Schlossbesuch und der Verkostung der Ricasoliweine noch einen kulinarischen Stopp einlegen möchten nicht zu vergessen, ab dem 22.März öffnet auch die Küche des Chefs Franco Sangiacomo in der Osteria di Brolio und für den der länger verweilen möchte auch die Unterkünfte auf Brolio (Villa Agresto, Agriroom und Capanna di Citerna).

Wir freuen uns auf Sie!